Predigt am Sonntag Septuagesimae, 23.01.2005

Kanzelgruß
Liebe Gemeinde, zuerst lese ich Ihnen den für morgen vorgeschlagenen Predigttext aus dem Lukasevangelium, Kapitel 17 vor. Danach lasse ich Sie einen Moment mit Ihren Gedanken allein…
Jesus spricht zu seinen Jüngern und anderen Zuhörern: 7 »Stellt euch vor, jemand von euch hat einen Sklaven und der kommt vom Pflügen oder Schafehüten nach Hause. Wird er wohl gleich als erstes zu ihm sagen: „Bitte, komm und setz dich zu Tisch“?
8 Gewiss nicht! Er wird ihm sagen: „Mach mir das Essen fertig, binde dir die Schürze um, und bediene mich bei Tisch! Wenn ich fertig bin, kannst du auch essen und trinken.“
9 Wird er sich etwa bei dem Sklaven bedanken, weil der getan hat, was ihm befohlen war?
10 So ist es auch mit euch. Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch befohlen hat, dann sagt: „Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur getan, was uns aufgetragen war.“
 Ärgerlich. Sehr ärgerlich. Also was Jesus da sagt, dass ist eine ziemliche Zumutung. Gerade der letzte Satz: Wir sind Diener, weiter nichts! Ja hat denn nicht auch ein Diener ein Recht auf Anerkennung? Darf dieser nicht für gut geleistete Arbeit zumindest ein gutes Wort erwarten. Oder wenigstens ein Danke?
Ärgerlich ist auch diese Verbindung die Jesus hier vollzieht. Keiner von uns würde dagegen sprechen, wenn wir in unserem Berufsleben nicht unbedingt Dank erwarten können. Ein guter Lohn ist den meisten Dank genug. Für gute Arbeit. Klar, ein Lob vom Chef, vom Vorgesetzten, das kann schon motivieren, geht schon mal runter wie Öl, wie wir sagen. Oder ein Dank oder Lob von Kunden. Nicht gerade üblich, aber jeder von uns würde das gerne mitnehmen. Da macht die Arbeit doch gleich mehr Spaß. Aber es geht auch so. Wir sind Arbeiter, weiter nichts! Hauptsache der Lohn stimmt.
Ein anderes Feld ist die Familie, oder bei Freunden. Vieles, was getan wird, wird als selbstverständlich hingenommen. Das die Mutter putzt und kocht, das der Vater sich um Haus und Garten kümmert, das Freunde selbstverständlich zur Hand gehen, wenn Hilfe angesagt ist. In aller Routine wird der Dank und das Lob schnell vergessen. Und dann fällt der Satz „Ich bin ja nur die Mutter, der Vater, die Tochter, der Sohn und so weiter…… Oft fällt erst auf, was manch wie selbstverständlich gemacht hat, wenn er mal krank ist oder sie verreist ist. Erst dann merken wir, dass ein gutes Wort oder Entgegenkommen wichtig gewesen wären.……
Etwas anders sieht die Sache aus, wenn wir Dinge tun, die wir aus freien Stücken machen. Oder zu denen wir zumindest nicht verpflichtet sind. Wenn wir einen Teil unserer Zeit für andere einsetzen. Da ist es egal, ob in einem Fussballverein, in der Schule, der Kirchengemeinde, der Feuerwehr oder sonst wo unsere Zeit einsetzen. Wie viele gibt es, die ehrenamtlich ihre Kraft und Fähigkeiten, ihre Zeit und finanzielle Mittel, sogar die Gesundheit einsetzen, weil sie etwas tun, was sie für sinnvoll erachten. Nur wenn die Arbeit immer an den selben Leuten hängen bleibt, was ja eine durchaus allseits bekannte Erfahrung ist, dann stellt sich schon mal die Frage: Bin ich euer Diener, macht euren Kram doch alleine. Ohne Dank und Lob läuft da gar nichts. Irgendwann würde jeder seine Arbeit hinschmeissen, wenn sie nicht entsprechend gewürdig würde. Von Konkurrenzen rede ich hier noch nicht mals.
Ich kenne dieses Feld als Gemeindepfarrer nur zu gut. Salopp gesagt, die Ehrenamtlichen bei Laune zu halten, das ist eine meiner wichtigsten Hauptaufgaben. Den Damen des Besuchsdienstes für ihre Arbeit zu danken. Den Jugendlichen von Bezirk mal ein Lob geben, für den Umbau des Kellers. Den Mitarbeitern beim Kinderbibelmorgen für ihren Einsatz zu schätzen. Die Damen des Bastelkreises immer wieder für ihren unermüdlichen Einsatz für Gemeinde und Kindernothilfe ein gutes Wort oder mehr zu geben. Viele habe ich jetzt noch nicht genannt. Doch auch den Hauptamtlichen gegenüber habe ich diese Verantwortung, immer wieder die Arbeit des Kindergartens zu schätzen. Wie gerade jetzt bei der Party-Time am Freitag deutlich wurden. Toll wie die Erzieherinnen und Eltern alles organisiert haben, Umbau, Büffet, Getränke und Dekoration. Dank und Lob sind wie A und O guter Arbeit. Für alle Ehren- und Hauptamtlichen. Ähnliches kann auch aus anderen Bereichen berichtet werden. Dem Fussballverein, die Feuerwehr. Wir sind Diener, sicher, aber unsere Arbeit soll wertgeschätzt werden. Und jeder Diener oder Helfer, der hat auch ein Recht auf Anerkennung, ob nun in Worten, in einem Ausflug oder kleinen Geschenken.
So läuft das bei uns. Das meine ich etwas flapsig mit bei Laune halten. Ich selbst habe schon öfter die Erfahrung gemacht, wie das ist, wenn Helfer sich aus irgendeinem Grund nicht ernstgenommen fühlen, wenn sie keine Anerkennung für ihre Arbeit bekommen, oder gar das Gefühl haben, der braucht mich gar nicht. Ein chinesisches Sprichwort drückt gut aus, wie wichtig die Mitarbeiterpflege ist: Es ist schwer in einem Jahr einen Freund zu gewinnen, es ist leicht, ihn in einer Stunde zu verlieren. Wieviele Gespräche notwendig sind, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, um sich zu entschuldigen für eigenes Fehlverhalten. Oder wenn der Fehler bei anderen liegt, was auch vorkommt, Klärung zu schaffen. Nicht immer gelingt dieses. Doch den Versuch ist es immer wert.
Es gibt regelrechte Fortbildungskurse zu diesem Thema Anerkennung der ehren-  aber auch der hauptamtlichen Mitarbeiter. Und sie sind wichtig. Denn ich sehe es in unserer eigenen Gemeinde. Es gibt nicht gerade das, was man als ausgeprägte Kultur des Dankes und der Anerkennung bezeichnen kann. An vielen Stellen klappt das gut, doch immer wieder hakt es an manchen Stellen.
Wenn wir wie Jesus verfahren würden, seine Worte als unsere Maxime nehmen, dann wären wir unsere Mitarbeiter schnell los. Wie also können wir ihn verstehen.
Vielleicht wäre es erst mal sinnvoll, dass wir uns kurz damit beschäftigen, was Gott von uns erwartet, was er uns befohlen hat.
Jesus ist da sehr klar und konkret: Wir haben es gerade in der Lesung gehört: Der Gesetzeslehrer antwortete auf die Frage nach dem höchsten Gebot:  »Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller deiner Kraft und deinem ganzen Verstand! Und: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!« Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! Und dann haben wir die uns bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter gehört. Klarer geht es eigentlich nicht. Gott hat seine Erwartungen an uns klipp und klar gestellt. Ihn zuerst und dann unseren Nächsten lieben, allerdings auch uns selbst.
Keiner von uns würde diesen Worten widersprechen. Gerade die Geschichte vom barmherzigen Samariter gilt als die Beispielgeschichte für gottgefälliges Handeln durch uns Menschen.
Aber immer ein barmherziger Samariter sein, Hilfe selbstverständlich zu leisten, ohne die Erwartung eines irgendwie gearteten Lohnes. Das ist doch ziemlich ärgerlich. Wenn wir das tun, was Gott uns befohlen hat, dann wäre doch ein Danke oder zumindest ein Lob angebracht. So ist es doch bei uns auch. Ich denke, darin stimmen sie mit mir überein. (frei sprechen …. Je nach Reaktion der Leute).
Doch wir gehen bei dieser Denkweise von falschen Voraussetzungen aus. Wir denken in menschlichen Bahnen, wie du mir, so ich dir. Das aber tut Gott, ganz und gar nicht. Zum Glück. Der Herr, der die Welt geschaffen hat, in der wir leben, der uns alles gibt, was wir brauchen. Dieser Herr hat uns eigentlich gar nicht nötig. Was für einen Nutzen haben wir für ihn? Sklaven sein? Einfache Diener, die er nach Belieben mal hierhin oder dorthin schickt. Das wäre zu billig. Dann wären wir nichts wert.
Was Jesus hier nicht sagt, was aber allen die zuhörten wohl längst klar war: Dieser Herr hat uns schon unseren Lohn gegeben. Vorzeitig, als Abschlag, ohne Vorausleistung. Einen überreichen Lohn. Seine Liebe in seinem Sohn, in Jesus Christus. Die Menschen die Jesus zu hörten, die spürten und wussten, dass in Jesus ihnen Gott selbst begegnet. Seine Liebe, seine Gnade.
Das sollen wir sein:  Geliebte Menschen, begnadete Menschen, begabte Menschen, die Gottes Willen hier auf Erden in die Tat umsetzen können. Die eben keinen Lohn erwarten, weil sie den Lohn Gottes längst bekommen haben. Seine Liebe. In Jesus Christus.
In dieser Welt haben wir von unserem Gott keinen Lohn mehr zu erwarten. Und nur darum geht es in diesem Gleichnis. Nicht wie wir mit unseren Lohngedanken untereinander umgehen. Jesus selbst war Beispiel dafür. Er verlangte keinen Lohn für das, was er tat. Mit seiner von Freunden und Freundinnen zog er durch Dörfer und Städte, heilte Kranke, erzählte Geschichten vom großen Traum und der Leidenschaft Gottes. Nicht die Tränen der Traurigen waren Lohn für ihn, sondern das Lachen der Geheilten und Getrösteten. Keiner zählte mehr bei ihm, nur weil er Geld oder Ansehen hatte. Er behandelte alle gleich. Die Hure wie den Hauptmann, den Zöllner wie den Pharisäer. Er teilte Liebe aus und verachtete die Macht der Mächtigen. Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen. König hätte er werden können, doch er zog die Gemeinschaft der Gescheiterten und Verachteten vor. Er war bei denen, die Liebe und Anerkennung brauchten. Er war nicht bei den Himmelsstürmern aber bei den Menschen. Und zu diesen sagt er wie zu uns: Kommt setzt euch an meinen Tisch. Ich bin euch. Ich habe euch geliebt, ehe ihr geboren seid. Ich liebe euch, in dem was ihr tut. Ich liebe euch bis an das Ende der Zeit.
Wenn ich das weiß, dann bin ich nicht mehr enttäuscht, von Jesus. Im Gegenteil. Ich bin befreit. Und ich kann sagen: Ich bin ein Diener Gottes, das reicht als Lohn für mein ganzes Leben. Und darüber hinaus: Denn ich weiß, das mir mein Lohn bei Gott längst sicher ist. Seine Liebe und das Leben in seinem Reich.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, schenke uns neue Lebenskraft und Phantasie, dort wo wir in Jesu Nachfolge leben. Amen
Email: JMuthmann@t-online.de
Gerne antwortete ich per Email auf Reaktionen zu meiner Predigt
http://www.ekir.de/wanheimerort, Homepage der Gemeinde Duisburg-Wanheimerort

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